Gemeinsames Statement zur „Broken“-Installation des Künstlers Dennis Meseg

Anlässlich des 25. Novembers, des Tags zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, stellte der Künstler Dennis Meseg, Kunststudent an der Alanus Hochschule bei Bonn, die Installation „Broken“ vor, die seitdem durch Deutschland tourt. Bei dieser sind 221 weibliche und eine männliche Schaufensterpuppe in orangenes Band gehüllt und mit Sprüchen beklebt worden („Talk about it“, „Do not look away“, „Nimm Hilfe an“, „Schäm dich nicht“, „Your body belongs to you“, „#MeToo“, „Dein Körper gehört Dir“).

Wir finden es wichtig, dass Misogynie, häusliche Gewalt und Femizide zunehmend künstlerisch aufgearbeitet werden und gerade während Corona muss auch das Thema der häuslichen Gewalt thematisiert werden. Erste Studien zeigen bereits, dass durch Corona das Risiko für häusliche Gewalt massiv steigt. Daher unterstützen wir ausdrücklich Gleichstellungsstellen und -Initiativen, die auch in dieser schwierigen Zeit eine Beratungs- und Hilfsstruktur aufrechterhalten möchten. Große, sichtbare Kampagnen sind hier ein wichtiges Mittel, um auf Beratungsstrukturen aufmerksam zu machen.

Allerdings möchten wir einige konkrete Kritikpunkte formulieren, um zu verdeutlichen, weshalb wir das Kunstprojekt in dieser Form für keine gelungene Form der Auseinandersetzung halten. Hierzu gehört insbesondere die Tatsache, dass der Künstler sich zwar immer wieder darauf bezieht, von Gleichstellungsstellen unterstützt zu werden, aber an keiner Stelle die konkreten Hilfsangebote der Gleichstellungsstellen benennt oder verbreitet, obwohl es gerade solche Stellen sind, deren Arbeit nur selten an die Öffentlichkeit gelangt. Im folgenden Statement nutzen wir die Formulierung „Frauen und weiblich gelesene Personen“, um zu verdeutlichen, dass sich misogyne Gewalt nicht nur auf cis Frauen bezieht. Der Künstler nutzt diese Formulierung nicht, wir halten die Erwähnung jedoch für relevant.

  1. Titelauswahl

Der Titel „Broken“ impliziert, Frauen und weiblich gelesene Personen, denen Gewalt angetan wurde, seien zerbrochen, gebrochen, zerbrechlich, in jedem Fall in einer bestimmten Weise fragil. Es stimmt, dass Gewalt traumatisieren kann und wir möchten diese an keiner Stelle kleinreden. Wir möchten jedoch betonen, dass viele feministische Initiativen ein spezifisches Opfernarrativ scharf kritisieren, da es den Betroffenen erschweren kann, sich aus der Situation zu befreien. Es reduziert die Betroffenen auf den erfahrenen Gewaltakt. Dass der Begriff stellvertretend für alle von Gewalt betroffenen Frauen und weiblich gelesenen Personen genutzt wird, ist eine hochproblematische Fremdzuschreibung. Es macht einen Unterschied, ob sich eine betroffene Person selbst als zerbrochen einschätzt oder ob dies als Fremdzuschreibung von außen passiert.

2. Normschönheit und Anonymität

Bei den Schaufensterpuppen handelt es sich allesamt um normschöne, schlanke Figuren. Dies kann, wenn auch unbewusst, ein bestimmtes weitverbreitetes Narrativ zementieren, nämlich dass als nicht schön bewerteten Frauen in dieser Gesellschaft keine sexuelle Belästigung widerfährt. Dies ist jedoch nicht nur falsch, sondern insofern problematisch, als es bestehende Tabus verstärkt und intersektionale Diskriminierungserfahrungen nicht ausreichend berücksichtigt. Mehr- und hochgewichtige , insbesondere von Misogynie betroffene Black, Indigenous and People of Color haben mit rassistischen, fettfeindlichen Narrativen und Stereotypen zu kämpfen. Sie werden hypersexualisiert, dehumanisiert und häufiger als unattraktiv gelabelt und sind durch die Mehrfachmarginalisierung vulnerabler für misogyne Gewalt. Sie berichten regelmäßig davon, nicht ernstgenommen zu werden, wenn sie von Gewalterlebnissen berichten, da ihnen nicht geglaubt wird, dass sie als „unattraktive“ Frauen und weiblich gelesene Personen überhaupt begehrenswert und damit Opfer sexueller Gewaltakte werden können. Auch Frauen und weiblich gelesene Personen mit Behinderungen wird die Gewalterfahrung häufig abgesprochen. Daher kann und sollte insbesondere ein solches Projekt gerade auch Raum bieten, die Diversität an Betroffenen darzustellen, die Opfer von Gewalt werden. Es gibt aber nicht nur einen Grund für Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen, nicht nur eine Art dieser Gewalt und auch nicht nur einen „Opfertyp“. Damit einhergehend kritisieren wir, dass von misogyner Gewalt betroffene Personen durch diese Darstellung selbst objektifiziert werden, statt genau diese Objektifizierung zu kritisieren.

3. Fokus auf Opfer statt Täter

Die Installation fokussiert sich auf die Opfer. Das ist prinzipiell begrüßenswert, aufgrund der hier aufgeführten Argumente und der gewählten Herangehensweise fragen wir uns jedoch, ob ein ähnliches Projekt mit einem Fokus auf die Täter nicht aussagekräftiger wäre. Kaum jemand würde ernsthaft bestreiten, dass Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen problematisch ist. Doch auch durch die Beschreibung des Künstlers zieht sich die weit verbreitete passive Formulierung, nach der Frauen objektifiziert „werden“, eingesperrt „werden“. Der aktive Part in einer solchen Konstellation, nämlich der in den überwiegenden Fällen männliche Täter, rückt so in den Hintergrund. Feministische Initiativen, Aktivist:innen, Beratungsstellen und Forschungsergebnisse zeigen jedoch, wie relevant es ist, die Täter aktiv in den Fokus zu nehmen, sich mit deren Verantwortung auseinanderzusetzen und mit der Tatsache, dass Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen ein strukturelles Problem darstellt. Die vielzitierte Aussage, dass wir Jungen beibringen müssen, nicht zu vergewaltigen, statt Mädchen beibringen zu müssen, wie sie sich schützen können, gilt auch hier. Strukturelle misogyne Gewalt lässt sich nur bekämpfen, wenn die Täter aktiv zur Verantwortung gezogen werden – egal, ob es sich dabei um den besten Freund, den Vater, den Mann, den Sohn, den Arbeitskollegen, den eigentlich netten Nachbarn handelt. Wenn das Ziel der Ausstellung wäre, dass Betroffene häuslicher Gewalt das Vertrauen fassen, sich Hilfe zu suchen, wäre es sinnvoll, die entsprechenden Beratungsangebote eng mit der Ausstellung zu verknüpfen und in den Mittelpunkt der Ausstellung zu stellen sowie die Diversität der Betroffenen zu thematisieren, damit sich möglichst viele angesprochen fühlen.

4. Emotionaler Antisexismus

Damit einhergehend sehen wir die Formulierung des Künstlers kritisch, wonach alle Männer lernen können, „dass ihre Mütter, Frauen und Töchter genauso wertvoll sind wie sie selber, und die gleiche Achtung verdienen“. Diese Formulierung verweist auf das häufige Narrativ, nach dem viele Männer Sexismus erst dann als problematisch wahrnehmen, wenn er enge Familienmitglieder betrifft – in der Umkleidekabine oder auf der Arbeit aber über den sexistischen Witz eines anderen Mannes lachen oder auf der Straße Catcalling betreiben. Wir möchten betonen, dass Antisexismus keine Aufgabe ist, die abhängig davon ist, ob man der betroffenen Person nahesteht. Es ist die Verantwortung jeder Person, die von dieser Diskriminierung nicht betroffen ist, sich damit auseinanderzusetzen, inwiefern sie automatisch von struktureller Misogynie profitiert – ohne dafür eine Belohnung oder Komplimente von Frauen und weiblich gelesenen Personen zu erfahren.

5. Biologismus

Daher kritisieren wir insbesondere auch den letzten Absatz des Begleittextes: „Das sollte ihr Ziel sein – der Beitrag zu einer besseren Welt, basierend auf Liebe, Herzblut und Geduld. Wie Künstler sie empfinden für ihre Werke. Und Frauen für ihre Kinder.“ In diesem wird Weiblichkeit mit Mutterschaft gleichgesetzt, was nicht nur auf ein biologistisches Verständnis von Weiblichkeit verweist, sondern auch die feministischen Kämpfe ignoriert, die noch immer um das Recht geführt werden, kinderlos zu bleiben. Zudem ignorieren der Fokus auf cis Frauen und ein biologisches Verständnis von Weiblichkeit transidente Frauen, obwohl auch transmisogyne Gewalt Gewalt gegen Frauen ist und transidente Frauen überproportional von Gewalt betroffen sind.

6. Geschlechtergerechte Sprache

Ebenfalls im letzten, zitierten Abschnitt des Begleittextes wird deutlich, dass der Künstler sich gegen geschlechtergerechte Sprache entschieden hat. Uns würde in diesem Kontext interessieren, aus welchem Grund dies passiert ist. Bereits vor unserem Statement wurde er hierauf mehrfach hingewiesen und hat den Ausstellungstext nicht angepasst, es handelt sich also um eine bewusste Entscheidung. Gerade, wenn eine Installation aber ein Thema behandelt, das derart strukturell verankert ist, halten wir es für problematisch, wenn der Künstler Geschlechtergerechtigkeit nicht selbst lebt. Dass es sehr viele gute Gründe für geschlechtergerechte Sprache gibt, wurde seit Mitte der 1980er Jahre wiederholt nachgewiesen. Gerade, da Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen in ihrer Form nur funktionieren kann, weil innerhalb der Gesellschaft ein gedanklicher Überbau existiert, der Frauen und weiblich gelesenen Personen eine Mitschuld gibt und Täter entschuldigt, ist die Entscheidung gegen geschlechtergerechte Sprache in unseren Augen ein problematisches Signal.

7. Frauen in der Kunstszene und die Behauptung, Kunst wolle nichts Böses

Der Begleittext beschreibt auch die Selbstverortung des Künstlers gegenüber der Installation:

„Frauen kennen die Dämonen in der Tiefe des Abgrundes, der die Gesellschaft noch immer spaltet. Frauen – und Künstler. Denn Künstler wollen nicht töten, verstümmeln oder beherrschen. Sie wollen etwas erschaffen, das gut ist. Das der Welt keinen Schaden zufügt, sondern Freude bereitet.“

Dieses Zitat halten wir für verharmlosend und wirklichkeitsfremd. Nicht nur die historische, sondern auch die zeitgenössische Kunstszene hat ein massives, strukturelles Problem mit der Objektifizierung von Frauen und weiblich gelesenen Personen. Kunst kann ideologisch vereinnahmt werden, sie kann bestehende Herrschaftsverhältnisse zementieren und Diskriminierungen fortschreiben – und sie tut es in diesem Fall. Der europäische Kunstkanon ist überwiegend männlich, während Frauen in den meisten Fällen als Kunstobjekte und Musen vorzugsweise nackt in der Gegend herumliegen und nicht ihre Werke zeigen können. Über Jahrhunderte haben männliche Künstler ihre Arbeit häufig auf dem Rücken von Frauen und weiblich gelesenen Personen aufgebaut. Laut einer Studie des Instituts für Strategieentwicklung beträgt der gegenwärtige Gender Pay Gap in der Berliner Kunstwelt 28 Prozent. Er liegt damit über dem allgemeinen Durchschnitt von 21 Prozent. 12,4 Millionen Dollar erzielt Jenny Savilles Gemälde „Propped“ bei den Herbstauktionen 2018, damit gilt die Britin als teuerste lebende Künstlerin. Teuerster lebender Künstler ist seit letzten Herbst der Brite David Hockney – sein „Porträt eines Künstlers“ spielte 90,3 Millionen Dollar ein. Bis heute ist der Konkurrenzkampf in der Kunstszene von toxischer Maskulinität geprägt. Bis heute sind Frauen und weiblich gelesene Personen sehr viel seltener in Galerien und Kunstinstitutionen vertreten und erfolgreiche männliche Künstler tun sich schwer damit, ihnen einen Platz zuzugestehen. 27 Prozent der 590 Hauptausstellungen in US-amerikanischen Museen zwischen 2007 und 2013 waren Künstlerinnen gewidmet, so eine Studie des National Museum of Women in the Arts in Washington. Der Konkurrenzkampf ist hart und unter diesen Gesichtspunkten geben privilegierte Männer ungern ihre Vorteile ab.

Das bestehende Machtgefälle zeigt sich aktuell auch im Kontext von Fördermitteln: Wer wird gefördert, wem stehen finanzielle Mittel für Kunstprojekte zur Verfügung? Wer gelangt einfacher an die benötigten Informationen, um Fördermittel zu beantragen? Daher würden wir es insbesondere zu einem Anlass wie dem 25.11. begrüßen, wenn die Kunst von marginalisierten Frauen und weiblich gelesenen Personen ein Forum bekommen hätte – insbesondere, weil in diesem Fall eine Inszenierung aus Betroffenenperspektive möglich gewesen wäre.

8. Reaktionen auf Kritik

Man wird nie alle Menschen einer Betroffenengruppe in einem derartigen Projekt versammeln können. Allein der Anspruch ist schon problematisch, da er die Betroffenen häufig als homogene Gruppe wahrnimmt. Die Frage ist jedoch, wie mit Kritik umgegangen wird.

Die hier genannten Kritikpunkte wurden bereits über mehrere Tage an den Künstler herangetragen. Sie wurden als Fragen geäußert, als Anmerkungen, solidarisch, freundlich, harsch und frustriert. Meseg selbst sagt von sich, das Kunstwerk sei das Ergebnis einer intensiven dreimonatigen Auseinandersetzung gewesen. Diese Zeitspanne verwundert uns, erscheint sie uns für ein solches Thema doch reichlich kurz. Seine Reaktion auf die insbesondere auf Instagram geäußerte Kritik bestand jedoch trotz dieser „intensiven Auseinandersetzung“ darin, Kritiker:innen zu blockieren, ihnen zu unterstellen, sie seien auf seinen Erfolg neidisch, sie würden ihn lediglich kritisieren, da er ein Mann sei, sie gäben nur vor, von Gewalt gegen Frauen betroffen zu sein, die Kritik als Beleidigung abzutun und ihnen vorzuwerfen, ihn nicht richtig verstanden zu haben, da die Mehrheit der Reaktionen bisher positiv sei. Was ist das für ein Umgang mit Kritik, wenn man als Künstler auf einen sachlichen Kommentar einer Frau mit: „Hast Du nen Knall? Bist du betrunken?“ antwortet, ihr Verleumdung vorwirft und ihr dann per Privatnachricht (Screenshot liegt vor) schreibt: „Sag mal spinnst Du?“

Einer von Gewalt betroffenen Frau, die dem Opfernarrativ und der Aussage des Künstlers widersprach, erklärte er sinngemäß, sie habe schlichtweg nicht verstanden, wie sehr sie die erlebte Gewalt verletzt und beeinflusst habe. Schlussendlich äußerte er, er wolle nicht „das Bauernopfer für einige extreme Feministinnen“ spielen. Auf sachliche Rückfragen ging er gar nicht ein, obwohl er selbst darauf hinwies, statt ihn zu kritisieren, solle man doch einfach fragen. Zudem sei die Kritik haltlos, da er seine Kunstinstallation in Zusammenarbeit mit Gleichstellungsbüros durchführe. Damit wertet er Kritik Betroffener ab, solange nur eine (institutionalisierte) Gruppe von Frauen und weiblich gelesenen Personen sein Projekt unterstützt. Diese Kritik ist aber nicht weniger legitim als die Zustimmung anderer Betroffener. An anderer Stelle weist er Kritik mit der Argumentation zurück, dass er selbst Betroffener sei und noch dazu homosexuell. Die vermeintliche „intensive Auseinandersetzung mit sich selbst“, die der Künstler geführt haben will, erscheint im Angesicht solcher Aussagen nur noch bizarrer. Die eigene Sexualität spielt wohl kaum eine Rolle dabei, ob eine sachliche Kritik an seiner Arbeit berechtigt ist oder nicht und dass er selbst als Mann nicht direkt von Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesenen Personen betroffen sein kann, sollte eigentlich selbsterklärend sein. Die Gleichsetzung struktureller Misogynie mit andersgelagerten Formen von Gewalt lässt bereits auf eine nur oberflächliche Befassung mit dem Thema schließen.

All dies zeigt uns, dass ihm nicht wirklich an einer Auseinandersetzung mit fundierter Kritik gelegen ist. Kunst kann und soll provozieren, aber Kunst zu machen bedeutet auch, dafür kritisiert zu werden. Wer im Namen einer Gruppe, zu der er nicht selbst gehört, sprechen möchte, sollte überlegen, ob er wirklich für alle sprechen kann und möchte. Wie die User:in „ultra.222“ auf Instagram zusammenfasst:

„Wer eine Installation zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ macht, der sollte sich von „extremen Feministinnen“ nicht abschrecken lassen. Ich hoffe du hast in deiner Installation alle Frauen mitgedacht. Zu denen gehören dann auch die sogenannten „extremen Feministinnen“ […]. Wenn du Kritik von dieser Seite nicht annehmen kannst & deren Meinung abwertest, reproduzierst du exakt diese Gewalt. Und Gewalt gegen „extreme Feministinnen“ ist groß, weil wir oft die Frauen sind, die unsere Meinung sagen, die – wie du treffend gezeigt hast – nicht ernstgenommen wird weil wir „zu extrem“ seien.“

Daher hat uns insbesondere der Umgang Mesegs mit Kritik dazu bewogen, dieses Statement zu verfassen. In seiner Reaktion wird für uns deutlich, dass nicht das Thema Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen im Vordergrund steht. Eine tiefe Auseinandersetzung mit dem sehr komplexen Thema hätte dazu geführt, dass die Kritikpunkte inhaltlich aufgenommen worden wären und eine Beschäftigung mit diesen erfolgt wäre. Eine tiefe Auseinandersetzung hätte in unseren Augen bereits im Vorfeld dazu führen müssen, insbesondere auch marginalisierte Stimmen zu berücksichtigen und „unangenehme“, auch radikale Positionen. Eine tiefe Auseinandersetzung hätte das Konzept dem Thema angepasst und nicht umgekehrt. In einer sexistischen Gesellschaft haben wir alle sexistische Strukturen verinnerlicht, selbst, wenn wir feministisch aktiv sind. Wir müssen uns täglich selbst hinterfragen und solidarisch auf Fehler hinweisen. Insbesondere aber, wenn Menschen, die selbst nicht von dieser Diskriminierung betroffen sind, ein Forum erhalten, um über die Betroffenen zu sprechen, müssen wir alle, Betroffene wie Aktivist:innen, genau hinsehen. Und wenn, wie im Falle dieser Installation, der Künstler lediglich über Frauen und weiblich gelesene Personen spricht statt mit ihnen und schon gar nicht für alle, dann müssen wir uns fragen, ob eine solche Installation wirklich zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen beitragen kann. Wir als Unterzeichner:innen dieses Statements beantworten diese Frage angesichts der hier aufgeführten Punkte mit nein. Dass er die Kritik von Frauen und weiblich gelesenen Personen verächtlich macht, zeigt, dass es ihm mehr um die Profilierung seiner eigenen Person geht, als gewaltbetroffenen Frauen und weiblich gelesenen Personen Gehör zu verschaffen und Hilfsangebote bekanntzumachen.

Deshalb wünschen wir uns ein öffentliches Statement des Künstlers zu den obigen Kritikpunkten, vor allem zu seinem Umgang mit Kritik und verlangen von ihm, im Rahmen des Projekts auf konkrete Beratungsangebote hinzuweisen. Insbesondere, da die Ausstellung zurzeit deutschlandweit Aufmerksamkeit erfährt und breit vermarktet wird, halten wir es zudem für notwendig, dass eine breite Auseinandersetzung über die zugrundeliegenden Motive und problematischen Implikationen geführt wird.

Ergänzungen vom 6.12. 2020

9. Retraumatisierung durch Reproduktion sexualisierter Gewalt

Die Art der Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt, wie sie in der Installation des Künstlers stattfindet, kann zur Retraumatisierung von Opfern führen. Aus künstlerischer und kunsthistorischer Sicht ist eine homogene bzw. anonymisierte Darstellung von Menschenbildern eine legitime und gängige Kunstform, um den Betrachter:innen die Auseinandersetzung und ggf. Identifikation mit dem Dargestellten zu erleichtern. Hierdurch hätte der Künstler ein gesellschaftskritisches Kunstwerk kreieren können, in dem das Spannungsverhältnis zwischen Täter:innen und Opfer verdeutlicht wird und beide Gruppen gleichermaßen hätten angesprochen werden können. Dies ist nicht gelungen. Stattdessen reproduziert die Installation einzig und allein die Täter:innenperspektive. Die Puppen – die Opfer – denen die Gewalt wortwörtlich am Körper klebt, sind selbst starr und können der Situation nicht entkommen bzw. sich nicht aus der Gewalt befreien. Daher wirken die Sprüche, die der Künstler auf das Absperrband geschrieben hat, die teilweise dazu auffordern, sich als Opfer zur Wehr zu setzen, hämisch.

Die Installation wird vor Ort nicht geschützt, was zur Folge hat,  dass uns zunehmend Berichte von Menschen erreichen, die während der Ausstellung bspw. Personen beobachtet haben, die sich über die Installation lustig machen und selbst sexualisierte Gewalt an den Puppen nachstellen – ohne, dass der Künstler oder sein Team einschreiten würden. Nicht nur für viele betroffene Frauen und weiblich gelesene Personen ist ein solcher Anblick schwer zu ertragen. Zudem ist vor diesem Hintergrund die Bezeichnung des Kunstwerks als „Mahnmal“ problematisch, da die Installation gerade nicht mahnt, sondern sich ausschließlich an Betroffene richtet, nicht aber an die, von denen die Gewalt ausgeht.

10. Bewusste Provokation von Retraumatisierungen

In einem mittlerweile gelöschten Instagramvideo möchte der Künstler Hintergrundinformationen zu seiner Installation geben. Zusammengefasst argumentiert er darin, als Betroffener wisse er, wovon er spreche (dass er selbst zwar von Gewalt, aber nicht von misogyner Gewalt betroffen sein kann, haben wir in diesem Statement bereits dargelegt). Weiterhin äußert er, Kritiker:innen würden ihre Erfahrungen lediglich verdrängen und sich deshalb nicht als zerbrochen wahrnehmen, seien es aber. In seinen Augen habe es eine bessere Wirkung, wenn er als Mann diese Ausstellung inszeniere und erläutert, dass er durch die Installation Betroffene bewusst zu einer Auseinandersetzung mit ihren Erlebnissen zwingen möchte.

Insbesondere der letzte Punkt ist hochproblematisch. Seine Argumentation, es sei nötig, alte Wunden aufzureißen, um zu heilen, berechtigt ihn nach eigenen Angaben, über Betroffene hinweg für diese zu entscheiden, wann und wie sie sich mit erlebten (misogynen, sexuellen oder sexualisierten) Gewalterfahrungen auseinanderzusetzen haben – in diesem konkreten Fall im öffentlichen Raum, in dem Betroffene ohne jede Vorwarnung mit der Installation konfrontiert werden. Aus traumasensibler Sicht entwickeln Betroffene misogyner Gewalt bestimmte Selbstschutzmechanismen, um weiter „funktionieren“ zu können. Diese komplexen Traumata aufzuarbeiten erfordert eine professionelle Begleitung durch geschulte Therapeut:innen, Psycholog:innen und Psychater:innen sowie eine psychische Stabilität, sich zu dem konkreten Zeitpunkt in einem geschützten Raum mit dem Thema auseinandersetzen zu können. Fehlt diese Stabilität oder werden Betroffene durch eine solche Triggersituation unerwartet konfrontiert, kann dies gravierende psychische Folgen haben.

Indem der Künstler über den Willen Betroffener hinweg entscheidet, sich mit ihren Erlebnissen im öffentlichen Raum konfrontieren zu können, agiert er nicht nur selbst gewaltvoll und zeigt, wie wenig er sich  mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Er setzt Betroffene bewusst einer akuten Gefahr aus. Zwanghaft herbeigeführte Retraumatisierungen sind übergriffig und Ausdruck dieser patriarchalen Gewalt, die der Künstler angeblich kritisieren möchte. Darüber hinaus lässt er die Betroffenen in dieser Situation völlig alleine, da er sich weiterhin weigert, die Kontaktdaten der Beratungsstellen in die Installation zu integrieren, die ihn angeblich unterstützen und er sein Kunstwerk gleichzeitig nicht als konkrete Hilfestellung verstanden haben möchte. Dass er bereits Schaden angerichtet hat, zeigt sich darin, dass sich zunehmend Betroffene misogyner Gewalt zu Wort melden und von Triggererlebnissen berichten, die sie in der realen Konfrontation mit der Installation erlebt haben. Auch die Tatsache, dass der Künstler selbst regelmäßig von Frauen und weiblich gelesenen Personen berichtet, die auf die Installation mit Tränen reagieren, zeigt, dass dieses Kunstwerk das Potential hat, Betroffene zu verletzen. Das ist, im Gegensatz zur Wahrnehmung des Künstlers, nicht begrüßenswert, sondern besorgniserregend, da er betont, dass es seine Intention ist, mit dieser Installation Schmerz hinzuzufügen.

11.   Widersprüchliche Aussagen des Künstlers

Meseg selbst äußert, dass die Objektifizierung Betroffener stets vom Täter ausgehe. Gleichzeitig wirft er einer Kritiker:in auf Instagram vor, sich selbst in sozialen Medien zu objektifizieren, da sie dort unter anderem „freizügige Fotos“ teile. Dies steht einerseits im Widerspruch mit seiner Aussage zur Objektifizierung von Frauen und weiblich gelesenen Personen durch Täter:innen, andererseits zeigt es, wie oberflächlich die Auseinandersetzung des Künstlers mit diesem Themenbereich gewesen ist. Männern und männlich gelesenen Personen wird es selten vorgeworfen sich zu objektifizieren oder sich einer Objektifizierung durch andere preiszugeben, wenn sie bspw. Fotos mit einem freien Oberkörper teilen. Mit seiner Kritik nimmt er jene Objektifizierung selbst vor, die er ausschließlich auf Täter:innenseite verortet und eigentlich kritisiert.

In seinem Begleittext zur Ausstellung erhebt Meseg den Anspruch, Kunst wolle nicht verletzen oder zerstören, sondern schön sein und Gutes bewirken. Im gelöschten Video formuliert er nun als Reaktion auf Kritik, seine Kunst wolle bewusst verstören und verletzen, und zwar insbesondere Betroffene, die mit der Installation konfrontiert werden.

Auffällig ist, dass Meseg online anders agiert als offline. So hat er auf seiner Internetseite mittlerweile eine Inhaltswarnung in Bezug auf seine Installation hinzugefügt, die zwar nicht die konkrete Problematik des Inhaltes benennt, aber Seitenbesucher:innen zumindest gewissermaßen vorwarnt. Wenn er online bereits erkannt hat, dass die Darstellungsform problematisch ist, warum überträgt er dieses Bewusstsein nicht auf seine Installtion im öffentlichen Raum und möchte hier die Reaktion hervorrufen, vor der er auf seiner Internetpräsenz warnt? Da man die Internetseite aktiv aufsuchen muss, Betroffene misogyner Gewalt auf der Straße jedoch vielfach ohne weiteres Wissen um das Kunstwerk von diesem überrascht werden, wäre dort eine Inhaltswarnung erst recht angebracht.

Ergänzungen vom 9.12.2020

12. Homogenisierung verschiedener Arten von misogyner und sexualisierter Gewalt

Zunächst möchten wir ausdrücklich betonen, dass wir uns gegen Zwangsprostitution, Zwangsehen, „Ehrenmorde“ und jegliche weiteren Formen von misogyner und sexualisierter Gewalt positionieren. Es ist wichtig, das gesellschaftliche Bewusstsein dahingehend zu schärfen, dass verschiedene Formen von Gewalt unterschiedliche und vielfältige Ansätze zu deren Bekämpfung benötigen. Hierbei handelt es sich um multifaktorielle Probleme, die als solche betrachtet werden müssen und nicht für eine Installation verharmlost und simplifiziert werden können oder sollen.

Meseg vermischt hier undifferenziert verschiedene Arten misogyner, sexualisierter Gewalt. Durch von ihm so bezeichnete „Mantras“, wie „sprich darüber“ oder „wehr dich“ suggeriert der Künstler einen allgemein gültigen und erfolgsversprechenden Weg, wie Betroffene jeglicher Art von misogyner und/oder sexualisierter Gewalt begegnen können und sollen. Wir haben bereits kritisiert, dass er die Verantwortung zur Dekonstruktion misogyner und sexualisierter Gewalt bei den Betroffenen, nicht aber den Täter:innen sucht. Des Weiteren erachten wir es als problematisch, dass die unterschiedlichen strukturellen Ebenen misogyner und sexualisierter Gewalt hierbei vollkommen ausgeblendet und verkannt werden. Durch die undifferenzierte und unreflektierte thematische Vermischung von bspw. Zwangsprostitution, Zwangsehen, „Ehrenmorde“, aber auch Vergewaltigung, verbaler bzw. physischer Übergriffe und häuslicher Gewalt werden die dahinterstehenden Strukturen und Machtverhältnisse ebenso homogenisiert, wie die Schaufensterpuppen selbst. Weshalb diese Homogenisierung problematisch und gefährlich für Betroffene ist, erläutern wir im Folgenden an einigen Beispielen.

Mit der Thematisierung von „Ehrenmorden“ hebt Meseg eine spezifische und kulturell begründete Form von Femiziden hervor, anstatt Femizide und deren misogyne Strukturen im Allgemeinen zu benennen. Opfern von „Ehrenmorden“ hilft es nicht, darüber zu sprechen oder sich zur Wehr zu setzen, da die Tat bereits begangen wurde. Um Femiziden jeglicher Art vorzubeugen, bedarf es spezieller Hilfs- und Präventionsangebote, die über das „darüber sprechen“ und sich „zur Wehr setzen“ hinausgehen. Wo können Personen über „Ehrenmorde“ reden? Wen betreffen „Ehrenmorde“? Wo findet Prävention statt? Welche Hilfsangebote existieren gegen „Ehrenmorde“ und deren Prävention? Wo in Deutschland finden „Ehrenmorde“ statt, wo weltweit? Wir fragen uns, ob der Künstler sich diese Fragen bei seiner „intensiven“ Auseinandersetzung mit dem Thema ebenfalls gestellt hat. Wenn er Hilfsangebote oder -instanzen kennen würde, sollte er auf diese im Rahmen seiner Installation verweisen.

Zwangsprostituierte geraten meistens nicht zufällig in eine „missliche“ Situation, sondern leiden in besonderem Maße unter einem strukturell frauenverachtenden System, aus dem sie sich nicht selbst, etwa durch „darüber sprechen“ befreien können. Tatsächlich kann der Versuch sich zu wehren für eine zwangsprostituierte Frau oder weiblich gelesene Person tödlich enden. Hilfsangebote, die diese Betroffenen erreichen sollen, müssen anders aufgebaut sein als bspw. Unterstützungsangebote für Frauen und weiblich gelesene Personen, die verbale oder häusliche Gewalt erleben. Zum Beispiel haben Personen, die nur für diesen „Zweck“ aus dem Ausland hergebracht worden sind und vielleicht die deutsche Sprache nicht beherrschen, größere Schwierigkeiten, sich Hilfe zu suchen und diese zu bekommen. Menschen in Zwangsprostitution haben überwiegend nicht die Möglichkeit, frei an einem gesellschaftlichen Leben, wie wir es kennen, teilzunehmen. Dementsprechend sind ihre Kontakte eingeschränkt, die Hürden für Hilfsgesuche erhöht. Dies muss beim Entwickeln von Hilfsangeboten beachtet werden.

Betroffene von (sexuellen) Übergriffen oder Vergewaltigungen sprechen über ihre Erfahrungen, sehen sich aber häufig damit konfrontiert, dass ihnen ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen wird: „Was hattest du denn an?“, „Hast du falsche Signale gesendet?“, „Ach, eigentlich wolltest du das doch!“. Victim Blaming (Betroffenen die Schuld für die eigenen Gewalterfahrungen geben) ist leider ein weit verbreitetes Phänomen in unserer Gesellschaft, das Betroffenen wiederfährt, wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen. Es darf nicht unterschätzt werden, wie retraumatisierend es für Betroffene sein kann, bei Anzeige von misogyner und/oder sexualisierter Gewalt immer und immer wieder über das Geschehene berichten zu müssen. Schuldzuweisungen sind hierbei nicht förderlich. Hier müssen Hilfs- und Unterstützungsangebote so konzipiert werden, dass das „darüber sprechen“ keine unüberwindbare Hürde für Betroffene darstellt.

Betroffene häuslicher Gewalt schweigen häufig, weil die Täter:innen sie bedrohen und weitere und teilweise brutalere Gewalt eine Reaktion auf die öffentliche Benennung dieser Gewalt ist. Es darf nicht vergessen werden, dass Prävention die beste Lösung ist. Jungen, Männer und männlich gelesene Personen müssen lernen bzw. beigebracht bekommen, dass sie auch eine Verantwortung tragen, um misogyne und sexualisierte Gewalt zu bekämpfen.

Bei Zwangsverheiratungen findet misogyne Gewalt auf eine Art statt, die neben der sexuellen Ebene die der Objektifizierung von Frauen und weiblich gelesenen Personen in den Vordergrund stellt. Betroffene von Zwangsehen werden wie Güter an den meist Bietenden „verkauft“ und gehen somit in dessen „Besitz“ über. Wie genau sollen sich Betroffene hier wehren bzw. darüber sprechen?

Die Tatsache, dass Betroffene von Gewalt ebenso von anderen Formen von Diskriminierung betroffen sein können, wie bspw. Queer- und Transfeindlichkeit, Klassismus, Diskriminierung aufgrund von Behinderung oder Rassismus, führt dazu, dass ihnen häufig eine geringere Glaubwürdigkeit in Bezug auf ihre Diskriminierungs- bzw. Gewalterfahrungen zugestanden wird. So werden Schwarzen, Braunen und anderen People of Color (PoC) ihre Rassimuserfahrungen abgesprochen, wenn sie gleichzeitig von misogyner bzw. sexueller Gewalt und Rassismus betroffen sind oder umgekehrt. Ihnen wird häufig weniger geglaubt als weißen Betroffenen. Für diese Personengruppen ist es nochmals schwieriger, entsprechende Unterstützung bzw. Gehör zu finden. Zudem ist es offensichtlich, dass die Polizei (auch bzw. gerade in Deutschland) ein schwerwiegendes Rassismusproblem hat, sodass betroffene BPoC Gefahr laufen, bei dem Versuch Gewalt oder andere Straftaten zur Anzeige zu bringen, weitere Gewalt oder Diskriminierungen zu erfahren.

Bei allen Formen misogyner und sexualisierter Gewalt, insbesondere in Bezug auf Zwangsprostitution, Zwangsehen und „Ehrenmorde“, können Betroffene nur dann nachhaltig geschützt werden, wenn, neben der strukturellen Ebene, die Täter:innen zur Verantwortung gezogen werden und für die jeweiligen Ausprägungen misogyner und sexualisierter Gewalt spezifische Hilfsangebote zur Verfügung gestellt werden. Bedauerlicher Weise wird dies durch Mesegs Installation nicht deutlich und hierin liegt ein wesentlicher Aspekt begründet, weshalb diese Ausstellung für viele Betroffene retraumatisierend ist, den wir nicht müde werden zu wiederholen: Sie spiegelt genau diese strukturellen und patriarchalen Machtproblematiken wider, die der Künstler eigentlich kritisieren wollte.

Wir fordern, dass die Ausstellung – sollte diese künftig fortgeführt werden – in einer erweiterten Form stattfindet, bei der Betroffene direkt vor Ort die Möglichkeit haben, sich bspw. über den pandemiekonformen Stand einer Beratungsstelle Hilfe zu holen, wenn sie diese durch die Konfrontation mit ihren Erlebnissen benötigen. Zudem benötigt die Ausstellung eine Kontextualisierung, bei der nicht nur konkrete Unterstützungsangebote benannt werden, sondern auch das Thema der strukturellen Gewalt an Frauen und weiblich gelesenen Personen Raum findet. Zudem ist eine Form des Sichtschutzes nötig, damit Betroffene von derartiger Gewalt die Möglichkeit haben, bewusst zu entscheiden, ob sie sich einer Konfrontation mit der Installation aussetzen möchten. Dies kann beispielsweise durch Triggerwarnungen, einen großen Pavillon o.ä. erzeugt werden. Des Weiteren ist es wichtig, dass ebenfalls über Prävention gesprochen wird, die Täter:innen signalisiert, dass derartige Gewalt nicht länger toleriert wird und Männern und männlich gelesenen Personen ein Bewusstsein dafür geben, dass es auch in ihrer Verantwortung liegt, sexualisierte Gewalt an Frauen und weibliche gelesenen Personen zu verhindern. Es ist unverantwortlich, diese Installation ohne jede Kontextualisierung, Vorwarnung und ohne Hilfsangebote gut sichtbar auf zentralen, stark frequentierten städtischen Plätzen auszustellen. Wir fordern Handlung!

Das Statement wurde initiiert und ins Leben gerufen vom Referat für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit, von vielen der unten genannten Unterstützer:innen um wichtige Punkte erweitert und ist nun das Gemeinschaftsprojekt eines Zusammenschlusses verschiedener Aktivist:innen, Gruppen und Künstler:innen. Zudem formiert sich online wie in den Städten künstlerischer und aktivistischer Protest, was uns sehr freut. Online hat sich der Hashtag #stillnotbroken etabliert und auf der Instagram-Seite @stillnot.broken wird die Kritik ebenfalls gebündelt.

Dieses Statement wird getragen von (in alphabetischer Reihenfolge):

AStA der Universität Bonn

Bianca Gröbner- Künstlerin und Autorin

Clara Erbes

Constanze Vogt – Künstlerin

Faye Bryson

Franziska Peil – Projekt Catcallsof.Bonn

Frauen*Streik Bonn

Gin Bali – Musikerin

Hannah Rosenkranz – Studentin der Sprachwissenschaft

Jorinde Wiese – Aktivistin und Satirikerin

Judith Grauswand

Julia Schramm – Malerin

Kathrin Ohler, Pädagogin, Schulentwicklerin

Lena Maurer

Lisa Jureczko – Fotografin

Marie Meister – Künstlerin

Mattea Paas, Kunststudentin Alanus Hochschule

Melanie Petersen, Dr. der Neurochirurgie

Raisa Santos, intersektionale Feministin

Referat für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit im AStA der Universität Bonn

Rike Davids

Sarah Borowik-Frank, Künstlerin

Sharon Adler, Publizistin, Fotografin, Herausgeberin von AVIVA-Berlin  

Soraya Abed – Künstlerin und Studentin

Stefanie Momo de Mey – Kommunikationsdesignerin, Atelier de Mey

Tim Tonndorf – Theatermacher

Yasmin Fahbod – Szenische Forscherin und Aktivistin

@galactic.carla – Queere Designerin

@minaandherchaos – Intersektionale Feministin

In diesem Text haben wir uns für den Doppelpunkt als Signal geschlechtergerechter Sprache entschieden, da dieser für viele Nutzer:innen digitaler Screenreader leichter verständlich ist.

Wer als Unterstützer:in hinzugefügt werden möchte, kann uns sehr gerne kontaktieren!

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Pressestimmen

4.12.2020: Dresdner Kulturmagazin

4.12.2020: Webecho Bamberg

5.12.2020: Frauenbranchenbuch OWL

8.12.2020: ntv

8.12.2020: MUCBOOK Magazin

8.12.2020: Süddeutsche Zeitung

9.12.2020: taz

10.12.2020: neues deutschland

10.12.2020: Monopol Magazin

10.12.2020: rbbkultur

10.12.2020: Tagesspiegel

2 Kommentare zu „Gemeinsames Statement zur „Broken“-Installation des Künstlers Dennis Meseg

  1. Ganz herzlichen Dank für Ihr gemeinsames Statement zur Installation „Broken“ des Künstlers Dennis Meseg, der im Fachbereich Bildende Kunst der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft eingeschrieben ist.

    Als Prorektorin für Kunst und künstlerische Entwicklungsvorhaben der Alanus Hochschule möchte ich mich gerne, auch im Namen des Rektorats sowie des Fachbereichs Bildende Kunst, dazu äußern.

    Kunst berührt Grenzbereiche, darin liegt eine ihrer wesentlichen Qualitäten. Unabhängig davon spricht sich die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft grundsätzlich gegen jede Art der Diskriminierung aus.
    Die Installation „Broken“ von Dennis Meseg und das zugrunde liegende Konzept wurden inhaltlich nicht durch die Hochschule begleitet. Bei der Ausbildung unserer Studierenden legen wir großen Wert darauf, sie für die Verantwortung der Künstler:innenpersönlichkeit im gesellschaftlichen Zusammenhang zu sensibilisieren. Anlässlich der Diskussion um die Installation „Broken“ und den Umgang mit der daran geübten Kritik sehen wir es als unsere Aufgabe, mit unserem Studierenden Dennis Meseg darüber ins Gespräch zu kommen.

    Herzlich,
    Ihre
    Annette Weißkircher, Prorektorin für Kunst und künstlerische Entwicklungsvorhaben, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

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